Pferde machen Kinder stark
Veröffentlicht am: 11.12.2020; HNA
Melsunger Fuldatal-Schüler besuchen Reittherapie

Melsungen – Selbstvertrauen fördern und die eigenen Stärken kennenlernen – das ist die Idee hinter dem Horsemanship-Projekt des Vereins Anorak21. Regelmäßig kommt eine Schulklasse der Fuldatal-Schule aus Melsungen zur Reittherapie auf den Hof der ehemaligen Jugendherberge in Falkenberg.
Gerade Schüler mit Einschränkungen, wie zum Beispiel Lernschwierigkeiten, profitierten von der Reittherapie, sagt Lehrerin Damaris Rohde: „Nach der Zeit auf dem Hof sind die Kinder im Unterricht viel aufmerksamer und können sich besser konzentrieren.“
Ein Mal pro Woche verbringen die Kinder den Vormittag mit den Therapiepferden. „Für viele der Schüler war der Umgang mit den Pferden ungewohnt. Aber mit der Zeit sind die Schüler offener geworden und trauen sich mehr zu“, erzählt Rohde.
Tamara Pfannekuche vom Verein Anorak21 leitet die Reittherapie. Bei ihrer Arbeit wird sie von zwei Praktikantinnen unterstützt. „Das Horsemanship-Projekt ist total vielseitig und kann individuell auf die Bedürfnisse der Kinder angepasst werden“, sagt Pfannekuche. Nicht nur Kinder kommen zur Reittherapie. „Auch Jugendliche und Erwachsene können viel bei der Arbeit mit den Pferden lernen“, sagt Pfannekuche.
Spenden
Finanziert wird das Projekt mit je 1500 Euro vom Förderverein für ein zukunftsfähiges Melsungen und der VR-Bank. „Uns ist es wichtig, das Projekt zu unterstützten. Damit können die Kinder optimal gefördert werden“, sagt Anja Kukuck-Peppler, Vorstandsmitglied der VR-Bank.
Selbstbewusstsein
Besonders das Selbstbewusstsein der Schüler soll durch die Reittherapie gestärkt werden. „Inzwischen haben die Kinder gelernt, wie sie mit den Pferden umgehen müssen. Die Kinder sind unglaublich stolz, wenn sie merken, dass das Pferd auf sie hört. Das macht sie viel sicherer und selbstbewusster“, sagt Rohde. „Ich reite jetzt schon ohne Hände. Am Anfang hatte ich nur ein bisschen Angst“, erzählt einer der Schüler und grinst.
Teamarbeit
Auch die Teamarbeit der Klasse soll durch die Arbeit mit den Pferden gefördert werden. Die Schüler haben zum Beispiel die Aufgabe bekommen, die Pferde auf dem Reitplatz in eine Ecke zu treiben. „Dabei haben die Kinder gemerkt, dass sie das nur schaffen, wenn alle zusammen arbeiten. Wenn jeder sein eigenes Ding macht, machen die Pferde, was sie wollen“, sagt Rohde. Seitdem sei die Klasse viel enger zusammen gewachsen, beobachtet Rohde. „Im Klassenverband achten die Kinder jetzt viel mehr aufeinander. Sie haben gelernt, dass es Dinge gibt, die sie nur zusammen erreichen können.“
Die Schüler lernen bei der Reittherapie nicht nur viel über sich selbst, sondern auch über die Pferde. Dabei ist nonverbale Kommunikation gefragt. „Die Kinder haben schnell gemerkt, dass sie mit Worten bei den Pferden nicht weit kommen. Sie mussten mit ihrem Körper sprechen“, sagt Rohde.
Bewegung
Neben der Arbeit mit den Pferden ist auch die Bewegung an der frischen Luft wichtig. „Leider bewegen sich die Kinder sonst viel zu wenig“, bemängelt Rohde. Für einige Kinder sei es schon eine Herausforderung, eine knappe Stunde mit den Pferden spazieren zu gehen. Das aufrechte Sitzen auf dem Pferderücken stärke die Muskeln. „Ich merke, dass die Kinder ihre Körperspannung und Haltung verbessern. Auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers wird so gefördert“, erzählt die Lehrerin.
Leider ende das Projekt nun erst mal, sagt Rohde: „Wir hoffen, dass es im Frühjahr weiter gehen kann.“
von Eva Krämer
