Stiftung kinder- und familienfreundliches Melsungen · Förderverein für ein zukunftsfähiges Melsungen e.V.

Eine Sprache sprechen

Veröffentlicht am: 03.06.2017; HNA

Melsunger Tagesstätten wollen Kindern Übergang in Grundschule erleichtern

Sprache spielend verstehen: Auf dem Bild zeigen von links David, Lea, Maja, Renat und Carl aus der Kita Bachfeld mit ihren Gesten die richtige Betonung der Wörter Schokolade und Wolke. Foto: Herwig

MELSUNGEN. Im Kindergarten wird nur gespielt und in der Schule werden ständig Fehler bestraft. Oder? „Nein, das ist ein Vorurteil, das schon lange nicht mehr stimmt“, sagt Dorothea Brode. Die 64- Jährige leitet Fortbildungen an den städtischen Kindergärten und den Grundschulen in Melsungen.

Das tut sie, um den Kindern den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule zu erleichtern. Eine von Brodes Kernkompetenzen ist Kommunikation. Und so sagt sie auch: „In der Schule gibt es eine andere Kultur als in Kindergärten. Deswegen ist es wichtig, dass in beiden Einrichtungen eine gemeinsame Sprache gesprochen wird.“ Das sei besonders für Kinder wichtig, die noch Probleme mit dem Sprechen oder der Grammatik hätten.

Die lernen Kinder im Alter von null bis drei Jahren kennen, wenn es gut läuft. Doch wenn zu Hause nicht deutsch gesprochen wird oder ein Kind aus anderen Gründen Probleme mit dem Spracherwerb hat, muss das Versäumte möglichst rasch nachgeholt werden. „Deswegen arbeiten die Kindergärten heute mit Logopäden und Therapeuten zusammen.“

„Jedes Kind muss einzeln betrachtet werden.“
DOROTHEA BRODE

Damit die Grundschullehrerinnen und -lehrer sich schon im Vorhinein ein Bild vom Lernstand der künftigen Erstklässler machen können, schauen sie sich gemeinsam mit den Erzieherinnen Videos der Kinder an. Und besprechen bei der Gelegenheit auch, wer schon bereit für die Schule ist und wem ein weiteres Jahr Kindergarten guttun würde. „Das Gerangel wegen der Einschulung, das es früher oft gegeben hat, ist für die Kinder nicht gut. Deswegen muss man sich zusammensetzen und gemeinsam nach der besten Lösung suchen. Jedes Kind muss einzeln betrachtet werden“, sagt Brode. Einige Kinder hätten Probleme, sich an die Schule zu gewöhnen – und dann sei die Gefahr groß, dass sie die Neugierde und die Freude am Lernen verlieren würden.

Das wollen Grundschulen und Kindergärten mit ihrer Kooperation verhindern. Erzieherinnen werden darin geschult, die Kinder beim Lernen gezielt zu unterstützen. Zum Beispiel mit der sogenannten Kon-Lab-Methode. Dabei lernt der Nachwuchs spielerisch aber strukturiert die Betonung von Wörtern.

Sprachrhythmus

Häufig werden im Deutschunterricht an Grundschulen Silben geklatscht – „das ist aber nicht sehr sinnvoll“, sagt Dorothea Brode. Besonders für Kinder, die bei der Sprache Nachholbedarf hätten, sei die richtige Betonung und der Sprachrhythmus viel wichtiger als Silbentrennung. Deswegen bringt sie den Erziehern und Lehrern die „Kon- Lab-Methode“ bei:

Bei einer betonten Silbe wird geklatscht. Wenn die erste Silbe eines Wortes unbetont ist, fasst man sich mit den Händen an die Schultern. Und bei einer unbetonten Silbe, die auf eine betonte folgt, fasst man sich an die Nase. Das geht zum Beispiel so: Ma-schi-ne: Schulter, Klatschen, Nase; Tisch: Klatschen; Ha-se: Klatschen, Nase.


Hintergrund - So funktioniert Kon-Lab im Alltag

In der Melsunger Kita Bachfeld werden etwa 100 Kinder betreut. Ein Drittel bis die Hälfte der Jungen und Mädchen lernt über Sprachspiele wie die Kon-Lab-Methode Grammatik und Rhythmus der deutschen Sprache kennen. Außerdem erweitern sie spielerisch ihren Wortschatz. Geübt wird in Gruppen mit bis zu sechs Kindern – möglichst jeden Tag, mindestens aber dreimal in der Woche, erklärt Erzieherin Olga Wagner. Eine Runde dauert zehn Minuten. Zu den schwierigeren Wörtern zählen zum Beispiel Helikopter und Mandarine. (cig)