Wenn Kinder in der Klinik toben
Veröffentlicht am: 01.07.2026; HNA
Kita Lutherhaus zieht in ehemaliges Krankenhaus – Neubau beginnt im Herbst

Melsungen – Ins ehemalige Krankenhaus an der Kasseler Straße in Melsungen zieht nach den Sommerferien wieder so richtig Leben ein: Für etwa eineinhalb Jahre wird ein Teil des Gebäudes Heimat der Kinder und Erzieher der Kindertagesstätte Lutherhaus werden.
In dem Gebäude, das Eigentum der Stadt Melsungen ist, sind aktuell außerdem eine Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes, der Ärztliche Bereitschaftsdienst sowie im Obergeschoss die psychiatrische Ambulanz mit Tagesklinik von Vitos untergebracht.
Der Charme des ehemaligen Krankenhauses ist im südlichen Erdgeschoss erhalten geblieben: „Das war ein Wunsch aus dem Team des Lutherhauses“, sagt Darius Maloscheck, Projektleiter für das gesamte Vorhaben.
Hintergrund des Umzugs ist der notwendige Neubau der Kindertagesstätte im Lutherhaus an der Amtsgasse (siehe Artikel unten).
Eine große Sorge der Eltern seien Altlasten in der Bausubstanz gewesen, berichtet Maloscheck. Er könne aber alle beruhigen, Fachfirmen und Gutachter hätten keinerlei Hinweise auf problematische Baustoffe gefunden.
Dass das Gebäude nun kindgerecht genutzt werden könne, sei eine Herkulesaufgabe gewesen. Die Zeit sei knapp gewesen und die Wirtschaftlichkeit habe eine große Rolle gespielt, berichtet Maloschek. Schließlich handele es sich nur um ein zeitlich befristetes Zuhause. Das Ergebnis überzeugt: Denn es kann sich sehen lassen, was das Team um Maloschek in der Kürze der Zeit umgesetzt hat. „Der Spagat war, die Kosten niedrig zu halten, aber ein angemessenes Zuhause für die Kinder zu schaffen.“
Ein raffinierter Kniff war dabei, dass mit den Arbeiten schon lange vor dem Vorliegen der Baugenehmigung begonnen werden konnte – in Absprache mit Jugend- und Bauamt der Kreisverwaltung. Denn die Baugenehmigung lag erst im Juni vor, die Arbeiten starteten schon im November. „Wir wären nie bis zum Ferienende fertig geworden“, sagt Maloscheck.
Die Kita Lutherhaus hat ein offenes Konzept, das heißt, die Kinder können sich relativ frei innerhalb des Gebäudes bewegen: „Das haben wir natürlich aufgegriffen“, sagt Maloschek. Auf etwa 420 Quadratmetern Nutzfläche sind vier Gruppenräume und ein Multifunktionsraum entstanden. Es gibt einen Schlafraum und eine Küche sowie etwas abseits einen Sozialraum und ein Büro für die Erzieherinnen.
Herausfordernd, aber sinnvoll ist die Weiternutzung vieler Einrichtungsgegenstände aus dem Lutherhaus. So sind im ehemaligen Krankenhaus alle vorbereitenden Arbeiten im Sanitärbereich zwar abgeschlossen, aber Kabinen, Waschbecken und Toiletten ziehen während der Sommerferien um und werden nicht extra angeschafft.
Auch ein Außenbereich mit großem Sandkasten und Spielgeräten wurde hergerichtet.
Etwa 70 bis 80 Kinder werden nach den Sommerferien im ehemaligen Krankenhaus betreut. Im späteren neuen Lutherhaus werden es deutlich mehr sein.
Für die Eltern stehen zahlreiche kostenlose Parkplätze im gegenüberliegenden Parkdeck zur Verfügung. An der Übergangskita sollen außerdem Fahrradständer aufgebaut werden. Damit der Eingang zur Anlage sicherer ist, erfolgt er nicht über die Kasseler Straße, sondern über einen kleinen Seiteneingang auf dem Gelände. Direkt neben dem großzügigen Kaninchenstall. Denn mit den Kindern ziehen auch einige flauschige Spielkameraden mit um.
Es sei noch einiges zu tun, sagt Maloschek, der während der Sanierungsphase tatkräftige Unterstützung von städtischen Bauhofmitarbeitern hatte. „Bis zum 10. August sind wir aber sicher fertig“, sagt er. Man glaubt es ihm, denn Darius Maloschek hat einmal mehr bewiesen, dass er Projekte realisiert – effektiv, schnell, im Zeit- und Budgetplan. Die Anbauten des Lutherhauses werden im Herbst 2026 abgerissen.
Der Neubau soll im Frühjahr 2028 fertig sein. Gute Nachrichten gab es jetzt auch aus der Stadtverordnetenversammlung: Die Stadt hat für einen symbolischen Euro das ehemalige THW-Gelände an der Amtsgasse vom Bund erwerben können. Das etwa 700 Quadratmeter umfassende Gelände kann nun für den Neubau und die künftigen Außenflächen genutzt werden.
Die Stiftung baut
Etwa 200.000 bis 300.000 Euro werden Sanierung und Umzug gekostet haben, rechnet Projektleiter Darius Maloschek zusammen. Dabei sei einiges weiterverwendet worden. Die Stiftung für ein kinder- und familienfreundliches Melsungen wird als alleinige Bauherrin auftreten und den Neubau nach der Fertigstellung an die Stadt Melsungen vermieten, die wiederum die Kirche als Betreiberin einbindet. Die Bau- und Abrisskosten für den Neubau Lutherhaus mit Außenanlagen liegen laut Maloschek bei 6,5 Millionen Euro.
Damai D. Dewert
