Stiftung kinder- und familienfreundliches Melsungen · Förderverein für ein zukunftsfähiges Melsungen e.V.

Setzlinge stehen für Trauer

Veröffentlicht am: 21.11.2015; HNA

Schüler der Wolfgang-Fleischert-Schule befassten sich in Projektwoche mit dem Sterben

Zeigen ihre Setzlinge: Finn Dippel und Nikita Barwig hat die Projektwoche „Hospiz macht Schule“ gut gefallen. Foto: Rehermann

RÖHRENFURTH. Träge bewegen sich die Dritt- und Viertklässler der Wolfgang-Fleischert- Schule in Röhrenfurth durch den Klassenraum. Die Musik wird immer schneller, bis alle am Ende jauchzend umherhüpfen. „Damit werfen die Kinder symbolisch ab, was sie bedrückt“, sagt Petra Hochschorner, Koordinatorin der Hospizgruppe Felsberg/Melsungen.

Das Projekt

Der Tanz ist das Ende einer ereignisreichen Woche: Gemeinsam mit fünf ehrenamtlichen Hospizhelfern haben sich 18 Schüler im Projekt „Hospiz macht Schule“ mit den Themen Wandel, Tod und Trauer befasst. „Insgesamt geht es hier mehr um das Leben als um den Tod“, stellt Beate Göring klar, die Ansprechpartnerin für die Kinder ist, wenn sie etwas bedrückt. Das Projekt solle zeigen, dass Leben und Sterben zusammengehören, ebenso wie Trauer und Freude.

Der Inhalt

Weiße und graue Wolken zieren nun die Wände, wo die Kinder aufgeschrieben haben, was ihnen gut tut und was sie traurig macht. Auf Plakaten haben sie Babyfotos von sich gesammelt, um zu zeigen, dass sich alles verändert. In bunt bemalten Blumentöpfen sprießen frisch gepflanzte Setzlinge. „Das hat am meisten Spaß gemacht“, sagt Finn Dippel. Wenn jemand sterbe, den man gern habe, dann fühle man sich entwurzelt, erklärt der Neunjährige die Aufgabe. Wie der Setzling müsse man dann erst wieder fest wachsen. Damit das gelingt, haben die Schüler den Pflanzen kleine Holzstäbchen als Stütze an die Seite gestellt – als Symbol für die Menschen, die einem helfen, die Trauer zu überwinden.

Die Resonanz

Die kindgerechten Ansätze finden viel Anklang bei den Eltern. „Man weiß nicht genau, wie man das Thema ansprechen soll“, sagt Valentina Ulrich-Litwinenko, deren Tochter Sofia an der Projektwoche teilgenommen hat. „Die Erklärungen sind gut gemacht und auf das Alter zugeschnitten.“ Auch die Kinderpsychotherapeutin Michaela Balschun befürwortet das Projekt. „Kinder sind unvoreingenommen und neugierig, deshalb sind sie auch dem Thema Tod gegenüber offen. Wichtig ist, das Thema gelassen anzugehen und ihnen Raum für ihre Gefühle geben.“

So wollen es auch die ehrenamtlichen Hospizhelferinnen weiterhin angehen. Nach dem erfolgreichen Auftakt suchen sie nach weiteren Grundschulen im Landkreis, die Interesse an der Projektwoche haben.

Die Kontroverse

Die Wolfgang-Fleischert- Schule in Röhrenfurth ist damit die erste Grundschule im Schwalm-Eder-Kreis, die die Projektwoche veranstaltet. „Ich danke Lehrern, Eltern und Schülern für ihren Mut, sich auf das Projekt einzulassen“, sagt Hochschorner beim Abschlussfest. Viele andere Schulen im Landkreis hätten das Angebot in den vergangenen Monaten abgelehnt, sagt sie.

von Vanessa Rehermann