Erfolgsgeschichte mit Gottes Segen
Veröffentlicht am: 08.12.2025; HNA
Melsungen feierte 25 Jahre Nikorock – Bands rockten das Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum

Melsungen – Sechs Bands, sechsmal Vollgas. Wo sonst im Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum Konfirmanden lernen und Jugendgruppen tagen, explodierten am Freitagabend die Genres in einem Feuerwerk aus Musik.
Das 25-jährige Jubiläum von Nikorock war beeindruckend. Sechs Bands, die mit Wucht und Leidenschaft die Grenzen ihrer Stile sprengten. Hier wurde nicht nur gespielt, es verschmolzen mitreißende Sounds und brachiale Gitarrenriffs zu einer harmonischen – wenn auch lauten – Einheit. Dabei waren viele bekannte Namen wie Solace aus Kassel, Plan B aus Bad Wildungen, Urbanism, Dinosaurier, Konzinn und die Lokalmatadoren BollstØne mit Drummer Tobias Schopf, der als Veranstalter von Nikorock längst in der Szene etabliert ist.
Schon beim Betreten des Zentrums war klar: Dort ging es nicht um leise Töne. Die Luft vibrierte, Hosenbeine flatterten. Rund 50 Ehrenamtliche und sechs Hauptamtliche – darunter Kirsten Schopf, Dominik Niekler und Matthias Lambach – sorgten für einen reibungslosen Ablauf. „Wir starten immer mit einer kurzen Andacht“, erzählt Tobias Schopf, der 2000 das erste Nikorock ins Leben rief – damals ein Benefizkonzert zum Nikolaustag. Heute ist es ein fester Treffpunkt im Advent. „Jugendliche merken, dass Kirche nicht langweilig ist. Das macht den Erfolg aus“, sagt er.
Mit BollstØne eröffneten echte Lokalhelden den Abend. Ihr deutschsprachiger Pop/Rock-Folk philosophierte über Liebe und Leben – nachdenklich, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Dafür mit ordentlich Wumms.
Die zweite Band, Solace begann rein instrumental. Die unterschiedlichen Musikvorlieben der Mitglieder prägen ihren Sound: schnelle, harte Riffs, gepaart mit kraftvollen Vocals und einprägsamen Leadgitarren-Melodien. Dann kam Plan B aus Bad Wildungen. Authentisch und ehrlich, mit dem Drang, Menschen auf mehreren Ebenen zu bewegen. Ihr alternativer deutscher Rock lebt von der Kombination aus Rhythmus- und Leadgitarre, Keyboard, Bass, Drums und mehrstimmigem Gesang. Zehn Stücke, die allesamt Preise verdient hätten. Es ging um Freundschaft, Freiheit, Hoffnung – und die Botschaft: „Sei du selbst.“
Die nächste Band, Dinosaurier, mischte brachiales Geschrei mit fragilen Gesangspassagen. Ganz anders, aber doch im gleichen Genre, klangen Konzinn aus Kassel. Ihre deutschsprachigen Titel wie “Buch”, “Batterie”, “Fahrtwind” oder “Freund” wirkten wie leidenschaftliche Gebete, die durch eine Wand aus Sound brachen. Die treibende Kraft: die Drummerin, die mit harten, akzentuierten Schlägen und einer Bassdrum, mitten ins Herz der Fans traf.
Den Abschluss machte Urbanism. Sie taten, was Headliner tun: alles abräumen. Kein Schnickschnack. Tanzbare Grooves verschmolzen mit drückenden Synthies, erzeugt von einem legendären Moog, der schon George Harrison diente. Die Drei-Mann-Band von André Gensler (Vocals, Gitarre), Willy Gordienko (Bass, Synth) und Jonas Prill (Drums) lieferten eine Show, die zum Tanzen zwang.
Neben den musikalischen und regionalen Höhepunkten sorgte eine prall gefüllte Tombola für Abwechslung. Wer braucht Weihrauch, wenn es ein komplettes E-Gitarren-Einsteigerset zu gewinnen gibt? Der Erlös ging an Brot für die Welt. Es war ein lautes, fröhliches Fest, das bewies: Die Evangelische Jugend kann feiern – mit Herzblut, Vollgas und heiligem Lärm. So klingt ein Jubiläum.
Hans-Gerhard Pfaff
